Studientypen erklärt: vom Einzelbericht bis zur Metaanalyse
Evidenz-Label: Gut erforscht (als Forschungsmethode) Dieses Label beschreibt die hier erklärten Forschungsmethoden. Die Studien, die wir als Beispiele verwenden, behalten die Labels der Artikel, aus denen sie stammen, und keine davon ist ein Versprechen, was eine Übung für dich bewirkt.
Autor: Raymond Hackland · Zuletzt geprüft: 20. Oktober 2026 · Lesezeit: etwa 10 Minuten
Kurz gesagt
Worum es geht: Ein Gang die „Leiter“ der Studientypen hinauf, von der persönlichen Geschichte bis zur systematischen Übersichtsarbeit. Für jede Stufe: was sie dir sagen kann und was nicht. Der Artikel gehört zu unserer Reihe „Evidenz verstehen“ und schließt an Eine Gesundheitsstudie in 5 Minuten lesen an.
Was die Forschung sagt: Forschende sind sich weitgehend einig, wie viel Gewicht jedes Studiendesign tragen kann. Die Oxford-Evidenzstufen [1] und das GRADE-System [2, 3] sind die Standardwerkzeuge, und das Cochrane Handbook beschreibt, wie Review-Autorinnen und -Autoren das Verzerrungsrisiko beurteilen und GRADE anwenden [5–8]. Die Leiter ist eine Faustregel, kein Gesetz. Eine gut gemachte Studie weiter unten kann mehr aussagen als eine schlecht gemachte weiter oben, und GRADE bewertet die gesamte Evidenz Endpunkt für Endpunkt, nicht einzelne Studien [3]. Unsere Stufen dienen als Lernhilfe; die Oxford-Evidenzstufen sind anders nummeriert.
Was das für deine Praxis bedeutet: Wenn du „Studien zeigen“ hörst, lautet die erste hilfreiche Frage: „Welche Art von Studien?“ Die Antwort verrät dir mehr als die Schlagzeile.
Was die Wissenschaft sagt
Label: Gut erforscht (als Forschungsmethode). Jedes Beispiel behält das Label des Artikels, aus dem es stammt.
Jedes Studiendesign ist ein Versuch, eine Frage zu beantworten: Hat dies jenes bewirkt, oder könnte etwas anderes es erklären? Die Designs unterscheiden sich darin, wie gut sie dieses „etwas anderes“ ausschließen. Hier sind sie, von der untersten Stufe der Leiter bis zur obersten.
Stufe 1: Persönliche Erfahrung und Einzelbericht
Was du in deiner eigenen Praxis bemerkst und was andere dir von ihrer erzählen. Auf dieser Website hat das ein eigenes Label, Gelebte Erfahrung: Es beschreibt, „was ich in meiner eigenen Praxis bemerke und was Teilnehmende meiner Immersionen immer wieder berichten“, und es steht „immer neben einem Evidenz-Label, nie an dessen Stelle“ (Unsere Kennzeichnung).
- Was sie dir sagen kann: wie sich eine Übung von innen anfühlt, was Menschen an ihr schätzen und welche Fragen es wert wären, untersucht zu werden.
- Was sie dir nicht sagen kann: ob die Übung das Bemerkte bewirkt hat. An einem guten Tag ändert sich vieles zugleich: Ruhe, Stimmung, Erwartung, die Gruppe, die Jahreszeit. Viele Beschwerden bessern sich mit der Zeit auch von selbst. Eine Geschichte kann die Übung von all dem nicht trennen.
Label dieser Stufe: Gut erforscht (als Forschungsmethode) · 🟣 Gelebte Erfahrung (was das Label bedeutet).
Stufe 2: Fallberichte und Fallserien
Ein Fallbericht beschreibt einen einzelnen Menschen ausführlich, eine Fallserie eine Handvoll. Sie werden von Ärztinnen, Ärzten oder Forschenden geschrieben und veröffentlicht und sind damit strukturierter als eine Erzählung. Eine Übersicht über diese Textgattung nennt als ihre Stärken, Neues zu entdecken, Hypothesen zu erzeugen und Einzelfälle genau zu beschreiben. Ihre Grenzen: Die Ergebnisse lassen sich nicht verallgemeinern, Ursache und Wirkung lassen sich nicht belegen, und es besteht eine reale Gefahr der Überinterpretation und des Publikationsbias [11].
In der Literatur zum Summen gibt es ein deutliches Beispiel: einen veröffentlichten Fallbericht über einen Menschen mit schwerer chronischer Nebenhöhlenentzündung, der am ersten Abend vor dem Schlafengehen eine Stunde lang kräftig summte und danach vier Tage lang viermal täglich 60- bis 120-mal [16]. Unser Artikel Summen und Stickstoffmonoxid in der Nase zitiert ihn nur, um zu zeigen, warum er kein Beleg für einen Nutzen ist: eine Person, kein Vergleich, und ein Autor, der zugleich die Erklärung vorschlug.
In den Oxford-Evidenzstufen stehen Fallserien für die Frage „Hilft diese Maßnahme?“ auf Stufe 4 von 5 [1].
Label des Beispiels: Erste Hinweise (Summen und Stickstoffmonoxid in der Nase).
Ein Abstecher: Labor- und Mechanismusstudien
Viele Schlagzeilen beruhen auf Studien, die einen Mechanismus messen und keinen gesundheitlichen Endpunkt. In der Summ-Studie von 2002 wurde bei zehn gesunden Freiwilligen das Stickstoffmonoxid in der Nase gemessen. Es war beim Summen 15-mal höher als beim ruhigen Ausatmen [17]. Das ist eine sorgfältige, kontrollierte Messung, und das Ergebnis ist echt. Gemessen wird aber ein Gas in der Nase, nicht die Gesundheit. Wer daraus auf einen gesundheitlichen Nutzen schließt, nutzt das, was die Oxford-Stufen „mechanismusbasiertes Schlussfolgern“ nennen. Für die Frage, ob eine Behandlung hilft, steht es auf Stufe 5, der untersten [1].
Label des Beispiels: Erste Hinweise (Summen und Stickstoffmonoxid in der Nase).
Stufe 3: Querschnittstudien
Eine Momentaufnahme: Forschende messen viele Menschen ein einziges Mal und vergleichen etwa langjährig Übende mit Nichtübenden. Solche Studien sind schnell gemacht und gut geeignet, um zu beschreiben, wie häufig etwas ist. Zwischen Ursache und Wirkung können sie aber nicht unterscheiden [12].
Angenommen, eine Umfrage fände, dass langjährig Qigong-Übende ein besseres Gleichgewicht haben als Nichtübende. Das könnte heißen, dass die Übung dem Gleichgewicht hilft. Es könnte aber auch heißen, dass Menschen mit gutem Gleichgewicht eher dabeibleiben oder dass sich Übende auch in anderer Hinsicht unterscheiden (Alter, Bewegung, Einkommen). Tai-Chi-Forschende haben Querschnittstudien an langjährig Übenden als ein Design unter mehreren vorgeschlagen. Eine der Schwierigkeiten, die sie nennen: Kurze Studien bilden möglicherweise nicht ab, was langjährige Praxis bewirkt [15].
Stufe 4: Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien
Das sind Beobachtungsstudien, die dem zeitlichen Verlauf folgen.
- Eine Kohortenstudie begleitet eine Gruppe über die Zeit und hält fest, bei wem das untersuchte Ereignis eintritt. Weil die Ereignisse in ihrer Reihenfolge erfasst werden, hilft sie, Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten [12].
- Eine Fall-Kontroll-Studie beginnt am anderen Ende. Sie nimmt Menschen, bei denen das untersuchte Ereignis eingetreten ist (die „Fälle“), und vergleichbare Menschen ohne dieses Ereignis (die „Kontrollen“) und schaut zurück, was sich unterschied. Das macht sie nützlich für seltene Ereignisse und um Hypothesen zu erzeugen [12], aber sie stützt sich auf Unterlagen oder Erinnerung.
- Was sie dir sagen können: langfristige Muster, seltene Ereignisse und Schäden, also Dinge, die man in einer randomisierten Studie aus ethischen Gründen niemals zuteilen könnte.
- Was nicht: Störfaktoren (Confounding) ausschließen. Menschen, die sich für Qigong entscheiden, unterscheiden sich vielleicht in vielem von denen, die es nicht tun, und keine statistische Korrektur erfasst jeden Unterschied.
GRADE lässt die Evidenz aus Beobachtungsstudien deshalb bei „niedrig“ beginnen und die aus randomisierten Studien bei „hoch“ [3]. In besonderen Fällen kann Beobachtungsevidenz heraufgestuft werden. Der wichtigste Grund ist ein großer Effekt: Zeigen sorgfältige Studien mindestens eine Verdopplung oder Halbierung des Risikos, kann die Bewertung um eine Stufe steigen; bei einem sehr großen Effekt, also mindestens einer Verfünffachung oder einer Senkung auf ein Fünftel, um zwei Stufen. Weitere Gründe sind eine Dosis-Wirkungs-Beziehung oder Störfaktoren, die den Effekt eher verdecken würden [4].
Stufe 5: Nicht randomisierte kontrollierte Studien
Hier vergleichen Forschende zwar eine übende mit einer nicht übenden Gruppe, aber der Zufall entscheidet nicht über die Zuteilung. Vielleicht wählen die Menschen ihre Gruppe selbst, oder der Vergleich sind die Patientinnen und Patienten des Vorjahres. Gegenüber einer einzigen Gruppe, die vorher und nachher gemessen wird, ist das ein echter Fortschritt. Die Gruppen können sich aber von Anfang an unterscheiden (Störfaktoren und Selektionsbias). Das Cochrane Handbook widmet diesen Studien ein eigenes Kapitel und empfiehlt, ihr Verzerrungsrisiko mit einem eigenen Instrument zu beurteilen: ROBINS-I, entwickelt von einer Arbeitsgruppe um Sterne [7, 9]. Wird es verwendet, beginnt solche Evidenz zwar bei „hoch“, wird aber aus genau diesen Gründen in der Regel um zwei Stufen herabgestuft und landet so meist bei „niedrig“, wie auch ohne das Instrument [5].
Stufe 6: Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)
In einer randomisierten Studie entscheidet der Zufall, wer die Übung macht und wer zur Vergleichsgruppe gehört. Im Durchschnitt gleicht das alles aus, was das Ergebnis beeinflussen könnte, auch Dinge, an deren Messung niemand gedacht hat. Darum lässt GRADE randomisierte Studien bei „hoch“ beginnen [3]. Gut gemacht sein müssen sie trotzdem. Die Cochrane-Bewertung des Verzerrungsrisikos fragt unter anderem, wie randomisiert wurde, ob die Teilnehmenden die zugeteilte Maßnahme tatsächlich erhielten, ob Daten fehlen, wie die Endpunkte gemessen wurden und ob Ergebnisse selektiv berichtet wurden [6].
Zwei Dinge sind in der Forschung zu Körper-Geist-Übungen und Qigong besonders schwierig:
- Verblindung. In einer Arzneimittelstudie kann eine Placebotablette verbergen, wer was bekommt. In einer Qigong-Studie kannst du nicht üben, ohne es zu wissen. Forschende haben Tai Chi als komplexe Intervention aus vielen Bestandteilen beschrieben. Durch ihre körperlichen, geistigen und rituellen Elemente lassen sich spezifische und unspezifische Wirkungen nur schwer trennen, und auch eine valide Scheinbehandlung als Kontrolle ist schwer zu entwickeln [14]. Das ist wichtig, weil eine große Auswertung von 146 Metaanalysen zeigte: In Studien mit subjektiven Endpunkten ging fehlende Verblindung mit überschätzten Effekten einher, während es bei objektiven Endpunkten kaum Hinweise auf eine solche Verzerrung gab [13]. Atemnot und Lebensqualität sind subjektiv. Die Gehstrecke wird gemessen, und manchmal kann die messende Person verblindet werden.
- Die Wahl der Kontrollgruppe. „Übliche Versorgung“ oder eine Warteliste sagt dir, ob Übung plus Zuwendung besser abschneidet als keine zusätzliche Zuwendung. Eine „aktive“ Kontrolle, etwa eine andere sanfte Bewegungsform oder ein Gesundheitskurs, kommt der Frage näher, ob diese Übung den Unterschied macht. In die Übersichtsarbeit von 2020 zu Liu-Zi-Jue-Studien bei chronischer Lungenerkrankung (COPD) gingen 14 randomisierte Studien mit 920 Patientinnen und Patienten ein, und die Kontrollgruppen erhielten die übliche Versorgung. Die Autorinnen und Autoren nennen methodische Verzerrungen und den Placeboeffekt als Gründe, warum weitere Forschung nötig ist [18].
Label des Beispiels: Erste Hinweise (Liu Zi Jue).
Stufe 7: Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen
Eine systematische Übersichtsarbeit legt Frage und Methoden vorab fest. Sie sucht alle passenden Studien, beurteilt bei jeder das Verzerrungsrisiko und fasst die Ergebnisse zusammen. Eine Metaanalyse fügt die Statistik hinzu: Sie fasst die Zahlen zu einer gemeinsamen Schätzung mit Konfidenzintervall zusammen. Cochrane-Reviews folgen besonders strengen Methoden. Das Handbuch beginnt sein Kapitel über Metaanalysen mit dem Satz „Do not start here!“ („Fang nicht hier an!“). Das erinnert daran, dass Zusammenfassen erst Sinn ergibt, wenn Frage, Suche und Qualitätsprüfung stimmen [8].
- Was sie dir sagen können: die Gesamtrichtung und Größe eines Effekts über viele Studien hinweg und wie einheitlich er ist.
- Was nicht: die eingeschlossenen Studien reparieren. Werden viele kleine, unverblindete Studien zusammengefasst, entsteht eine Schätzung, die präzise aussieht, aber ebenso präzise verzerrt sein kann. Mehrere Übersichtsarbeiten zum selben Thema teilen oft dieselben Studien; drei Reviews sind also keine drei unabhängigen Bestätigungen. Unser Artikel Qigong und Tai Chi: Was systematische Übersichtsarbeiten sagen bespricht das für Liu Zi Jue: Drei Reviews mit sich überschneidenden Suchzeiträumen teilen dort wahrscheinlich viele Studien.
Manche Methodikerinnen und Methodiker schlagen deshalb vor, systematische Übersichtsarbeiten nicht als Spitze der Pyramide zu sehen, sondern als Linse, durch die man die übrigen Studien betrachtet [10].
Wie GRADE daraus eine Bewertung der Vertrauenswürdigkeit macht
GRADE bewertet die gesamte Evidenz zu einem Endpunkt, in vier Stufen: hoch, moderat, niedrig und sehr niedrig [2, 3].
- Ausgangspunkt: Randomisierte Studien beginnen bei hoch, Beobachtungsstudien bei niedrig [3].
- Herabstufen, meist um eine Stufe je Problem, bei sehr schwerwiegenden Problemen um zwei: Verzerrungsrisiko, widersprüchliche Ergebnisse, Indirektheit (die Studien passen nicht ganz zur Frage), Ungenauigkeit und Publikationsbias [3, 5].
- Heraufstufen, vor allem bei Beobachtungsevidenz: ein großer Effekt, eine Dosis-Wirkungs-Beziehung oder plausible Störfaktoren, die den beobachteten Effekt eher verkleinern würden [4].
Dieselbe Übersichtsarbeit kann für verschiedene Endpunkte zu verschiedenen Bewertungen kommen. Im Cochrane-Review zu Bewegung zur Sturzvorbeugung bei älteren Menschen, die zu Hause leben, verringerte Tai Chi die Zahl der Menschen, die stürzten, um etwa 20 %: relatives Risiko 0,80, 95-%-Konfidenzintervall 0,70 bis 0,91, aus 8 Studien mit 2.677 Teilnehmenden, bei hoher Vertrauenswürdigkeit. Tai Chi könnte zudem die Sturzrate um etwa 19 % senken: Ratenverhältnis 0,81, 0,67 bis 0,99, aus 7 Studien mit 2.655 Teilnehmenden. Für dieses Ergebnis ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nur niedrig, deshalb formuliert das Review es vorsichtig („may“, „könnte“) [19]. Eine Übung, ein Review, zwei Endpunkte, zwei Stufen der Vertrauenswürdigkeit.
Label des Beispiels: Gut erforscht (Tai Chi und Stürze; siehe Qigong und Tai Chi: Was systematische Übersichtsarbeiten sagen).
Die Leiter auf einer Karte: – Persönliche Erfahrung: sagt, wie es sich anfühlt, nicht, was die Ursache war. – Fallbericht oder Fallserie: entdeckt Neues; kann keine Ursache belegen. – Labor- oder Mechanismusstudie: zeigt, wie etwas wirken könnte; kein Endpunkt. – Querschnittstudie: eine Momentaufnahme; sagt nicht, was zuerst da war. – Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studie: folgt der Zeit; kann Störfaktoren nicht ausschließen. – Nicht randomisierte kontrollierte Studie: hat einen Vergleich; die Gruppen können sich unterscheiden. – Randomisierte Studie: der Zufall gleicht die Gruppen aus; Verblindung und Kontrollgruppe bleiben wichtig. – Systematische Übersicht oder Metaanalyse: der Überblick; nur so gut wie ihre Studien. – GRADE: wie sicher wir sein können, ein Endpunkt nach dem anderen.
Eine einzelne Studie ist ein Ausgangspunkt, egal wo sie steht. Warum das so ist, mit Stichprobengröße, Replikation und p-Werten in einfachen Worten, ist das Thema des nächsten Artikels dieser Reihe: Warum eine Studie nicht reicht (erscheint bald).
Was die Tradition sagt
Label für diesen Abschnitt: Nur Tradition.
Die klassischen Texte und die Weitergabe von der Lehrerin oder dem Lehrer an die Schülerin oder den Schüler sind eine andere Art von Wissen, und sie stehen gar nicht auf dieser Leiter. Sie halten fest, was geübt, gelehrt und geglaubt wurde, und sie werden mit den Werkzeugen der Geschichtswissenschaft untersucht: Datierung, Autorschaft, Vergleich von Ausgaben. So behandeln unsere Artikel Liu Zi Jue: Woher die Sechs Heilenden Laute kommen und Was ist Qigong? Eine Einführung diese Quellen. Wenn ein Text sagt, ein Laut „regiere“ ein Organ, ist das ein Beleg dafür, was sein Verfasser lehrte, aber keine Messung. Umgekehrt macht es eine traditionelle Idee nicht wertlos, dass die Forschung sie nicht geprüft hat: „Nur Tradition“ ist eine Aussage über die Evidenz, nicht über den Wert.
Wo populäre Behauptungen über die Evidenz hinausgehen
Label für diesen Abschnitt: Spekulativ.
„Tausende Jahre Praxis sind die größte Studie, die es gibt.“ Lange Überlieferung zeigt, dass Menschen eine Übung geschätzt haben. Ein Vergleich ist sie nicht: Niemand hat festgehalten, wem es ohne die Übung genauso gut gegangen wäre, und Übungen können auch aus kulturellen Gründen überdauern. Eine lange Geschichte gehört zur Tradition, nicht auf die Evidenzleiter.
„Eine Metaanalyse hat es bewiesen.“ Eine Metaanalyse ist nur so gut wie die Studien, die sie zusammenfasst [8]. Schau nach der Bewertung der Vertrauenswürdigkeit, wenn das Review eine angibt, und danach, ob die Studien klein oder unverblindet waren.
„Nur randomisierte Studien zählen, alles andere ist wertlos.“ Auch zu einfach. Fallberichte entdecken neue Probleme und Schäden [11], und Beobachtungsstudien können untersuchen, was randomisierte Studien nicht untersuchen können [12]. Jedes Design beantwortet manche Fragen gut und andere schlecht.
„Biologisch ergibt es Sinn, also muss es wirken.“ Ein plausibler Mechanismus ist die unterste Stufe für die Frage, ob etwas hilft [1]. Viele plausible Mechanismen haben sich in Studien nicht bestätigt.
„Meine Erfahrung beweist, dass es wirkt.“ Deine Erfahrung ist echt und verdient es, ernst genommen zu werden; auf dieser Website trägt sie das Label Gelebte Erfahrung. Sie kann die Übung aber nicht von allem anderen trennen, was sich zur gleichen Zeit verändert hat.
Was das mit den Sechs Heilenden Lauten, Qigong und Neigong zu tun hat
Label für diesen Abschnitt: Erste Hinweise (Forschung zu Liu Zi Jue) · Nur Tradition (Qi, Zuordnung zu Organen, Begriffe des Neigong) · 🟣 Gelebte Erfahrung (meine Praxis und Berichte von Teilnehmenden).
So stehen die Themen dieser Website auf der Leiter:
- Summen und Stickstoffmonoxid in der Nase: kleine Laborstudien, von denen wir hier eine zitieren [17] (die übrigen bespricht unser Artikel Summen und Stickstoffmonoxid in der Nase), und ein Fallbericht [16]. Ebene des Mechanismus; keine gesundheitlichen Endpunkte.
- Liu Zi Jue bei COPD: eine systematische Übersichtsarbeit kleiner randomisierter Studien mit üblicher Versorgung als Kontrolle, in einer Patientengruppe, untersucht neben der medizinischen Versorgung [18]. Erste Hinweise.
- Tai Chi und Stürze bei älteren Menschen: ein Cochrane-Review mit hoher Vertrauenswürdigkeit für einen Endpunkt und niedriger für einen anderen [19].
- Qi, die Zuordnung der sechs Laute zu Organen und die innere Arbeit des Neigong: traditionelle Begriffe. Sie stehen nicht auf der Leiter, und so, wie sie meist formuliert sind, lassen sie sich wahrscheinlich nicht prüfen.
- Meine eigene musikbegleitete Praxis: Keine Studie hat sie untersucht. Was ich in meiner Praxis bemerke und was Teilnehmende mir erzählen, ist Gelebte Erfahrung: ehrlich, hörenswert und eine Quelle guter Fragen, aber kein Befund. Darum hält jeder Artikel hier beides auseinander.
Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast, lies bitte zuerst Wer bei Atemübungen vorsichtig sein sollte.
Resonance Heritage Qi ist eine persönliche, musikbegleitete Praxis, inspiriert von Liu Zi Jue: damit verbunden, aber kein Ersatz für die traditionelle Form oder für das Lernen bei einer Lehrerin oder einem Lehrer dieser Tradition. Keine Studie hat sie untersucht, und wir machen keine Aussagen über ihre Wirkungen.
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Quellen
- OCEBM Levels of Evidence Working Group (Howick J, Chalmers I, Glasziou P, Greenhalgh T, Heneghan C, Liberati A, Moschetti I, Phillips B, Thornton H, Goddard O, Hodgkinson M), 2011. The Oxford 2011 Levels of Evidence. Oxford Centre for Evidence-Based Medicine. https://www.cebm.ox.ac.uk/files/levels-of-evidence/cebm-levels-of-evidence-2-1.pdf
- Guyatt GH, Oxman AD, Vist GE, Kunz R, Falck-Ytter Y, Alonso-Coello P, Schünemann HJ; GRADE Working Group, 2008. GRADE: an emerging consensus on rating quality of evidence and strength of recommendations. BMJ 336(7650):924–926. https://doi.org/10.1136/bmj.39489.470347.AD
- Balshem H, Helfand M, Schünemann HJ, Oxman AD, Kunz R, Brozek J, Vist GE, Falck-Ytter Y, Meerpohl J, Norris S, Guyatt GH, 2011. GRADE guidelines: 3. Rating the quality of evidence. Journal of Clinical Epidemiology 64(4):401–406. https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2010.07.015
- Guyatt GH, Oxman AD, Sultan S, Glasziou P, Akl EA, Alonso-Coello P, et al.; GRADE Working Group, 2011. GRADE guidelines: 9. Rating up the quality of evidence. Journal of Clinical Epidemiology 64(12):1311–1316. https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2011.06.004
- Schünemann HJ, Higgins JP, Vist GE, Glasziou P, Akl EA, Skoetz N, Guyatt GH. Chapter 14: Completing ‚Summary of findings‘ tables and grading the certainty of the evidence (last updated August 2023). In: Higgins JP, Thomas J, Chandler J, Cumpston M, Li T, Page MJ, et al. (eds). Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions, version 6.5. Cochrane, 2024. https://www.cochrane.org/authors/handbooks-and-manuals/handbook/current/chapter-14
- Higgins JP, Savović J, Page MJ, Elbers RG, Sterne JAC. Chapter 8: Assessing risk of bias in a randomized trial (last updated October 2019). In: Cochrane Handbook, version 6.5, 2024. https://www.cochrane.org/authors/handbooks-and-manuals/handbook/current/chapter-08
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- Deeks JJ, Higgins JP, Altman DG, McKenzie JE, Veroniki AA (eds). Chapter 10: Analysing data and undertaking meta-analyses (last updated November 2024). In: Cochrane Handbook, version 6.5, 2024. https://www.cochrane.org/authors/handbooks-and-manuals/handbook/current/chapter-10
- Sterne JA, Hernán MA, Reeves BC, Savović J, Berkman ND, Viswanathan M, et al., 2016. ROBINS-I: a tool for assessing risk of bias in non-randomised studies of interventions. BMJ 355:i4919. https://doi.org/10.1136/bmj.i4919
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- Wayne PM, Kaptchuk TJ, 2008. Challenges inherent to t’ai chi research: part I – t’ai chi as a complex multicomponent intervention. Journal of Alternative and Complementary Medicine 14(1):95–102. https://doi.org/10.1089/acm.2007.7170a
- Wayne PM, Kaptchuk TJ, 2008. Challenges inherent to t’ai chi research: part II – defining the intervention and optimal study design. Journal of Alternative and Complementary Medicine 14(2):191–197. https://doi.org/10.1089/acm.2007.7170b
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- Xiao L, Duan H, Li P, Wu W, Shan C, Liu X, 2020. A systematic review and meta-analysis of Liuzijue in stable patients with chronic obstructive pulmonary disease. BMC Complementary Medicine and Therapies 20:308. https://doi.org/10.1186/s12906-020-03104-1
- Sherrington C, Fairhall NJ, Wallbank GK, Tiedemann A, Michaleff ZA, Howard K, Clemson L, Hopewell S, Lamb SE, 2019. Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews 1:CD012424. https://doi.org/10.1002/14651858.CD012424.pub2
Hinweis zur Qualität der Quellen: – [1] bis [9] sind Standardwerke der evidenzbasierten Medizin zur Methodik: die Oxford-Tabelle der Evidenzstufen, drei Artikel der GRADE-Arbeitsgruppe, vier Kapitel des aktuellen Cochrane Handbook und der Artikel zum Instrument ROBINS-I. [10] ist ein kurzer Kommentar zur Evidenzpyramide. – [11] und [12] sind narrative Übersichtsarbeiten zu Studiendesigns. [13] ist eine große meta-epidemiologische Studie (146 Metaanalysen, 1.346 Studien). [14] und [15] sind methodische Diskussionsbeiträge zur Tai-Chi-Forschung. – [16] bis [19] sind Beispiele, die unsere anderen Artikel bereits besprechen: ein Fallbericht, eine kleine Laborstudie, eine systematische Übersichtsarbeit kleiner Studien und ein Cochrane-Review. – [2] bis [4] und [9] bis [19] haben wir in ihren PubMed-Einträgen und Abstracts geprüft, [5] bis [8] auf den Seiten des Cochrane Handbook selbst. [1] haben wir in der veröffentlichten PDF-Tabelle gelesen; die Webseite des CEBM ließ sich bei uns nicht öffnen. – Die Zahlen zu Tai Chi in [19] stammen aus dem veröffentlichten Abstract des Reviews. – Die Zitate aus „Unsere Kennzeichnung“ stammen von unserer eigenen Website. Das Zitat aus [8] geben wir im englischen Original wieder und übersetzen es.
Hinweis
Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information. Er ist keine medizinische Beratung und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder andere qualifizierte Fachleute. Qigong und die sechs Laute sind traditionelle Praktiken; wir behaupten nicht, dass sie Krankheiten heilen, behandeln oder ihnen vorbeugen. Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast, schwanger bist oder unsicher bist, ob eine Übung zu dir passt, sprich bitte vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
